Samstag, 30. Mai 2015

Wir wollten nichts, Wir wollten alles - Sanne Munk Jensen & Glenn Ringtved



Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: Oetinger (20. Januar 2015)
Übersetzer: Ulrich Sonnenberg
Illustrator: Cornelia Niere
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3789139203
ISBN-13: 978-3789139208
Empfohlenes Alter: 16 - 17 Jahre
Preis: 16,99 €

Kurzbeschreibung (Verlag):
Lässt nicht los: Liebe, die absoluter nicht sein kann. Zwei Leichen werden aus dem Limfjord gezogen: Liam und Louise. Ihre Hände sind mit Handschellen aneinandergekettet. Alle Indizien weisen auf Selbstmord hin. Louises Eltern zerbrechen fast am Tod ihrer Tochter, doch ihr Vater klammert sich daran, die Wahrheit herauszufinden. Als er Louises Tagebuch findet, eröffnet sich ihm das Leben, das seine Tochter und Liam in den vergangenen Monaten geführt haben.

Meine Meinung:
Wieder ein Buch, bei dem man am Anfang schon das Ende kennt. 
Louise und Liam sind tot. Sie werden aneinandergekettet aus dem Fluss gezogen.
Wer jetzt denkt, hm, wie blöd, jetzt weiß ich ja schon wie es ausgeht - was soll denn da noch kommen? - wird sich wundern, wie viel in einer Geschichte passieren kann, obwohl man den Schluss schon kennt.
Nichtsdestotrotz würde ich bei keinem anderen Buch den letzten Satz zuerst lesen, denn Storys die mit dem Schluss beginnen müssen auch darauf ausgelegt sein, ansonsten würde das wahrscheinlich nicht funktionieren.

Das Thema ist wahrlich kein einfaches und für zart besaitete Leser sicherlich nicht unbedingt empfehlenswert. 
Was treibt junge Menschen - oder generell Menschen - zu einem solch drastischen Schritt? Wie verzweifelt oder hilflos muss man sein, um sich das Leben zu nehmen.

Bei dem Satz aus der Kurzbeschreibung: „Liebe, die absoluter nicht sein kann.“ könnte man annehmen, es handle sich um eine romanisch verklärte Liebesgeschichte ala Romeo und Julia, aber so ist es ganz und gar nicht. Hier sind es nicht die Familien, die den beiden Steine in den Weg legen, sondern sie selbst. Eine falsche Entscheidung reiht sich an die nächste, bis es scheinbar keinen Ausweg mehr gibt. 
Auch mit absoluter Liebe hat das, was Liam und Louise hier betreiben, meiner Ansicht nach, nicht wirklich viel zu tun. Zu Anfang mögen sie wirklich noch ein Herz und eine Seele gewesen sein, aber sobald die ersten Probleme auftauchen kristallisiert sich doch eher Hörigkeit, Besessenheit und Hilflosigkeit heraus, aber das können beide nicht erkennen - für sie ist es die absolute Liebe.

Die Erzählweise hat mir sehr gut gefallen. Louise berichtet quasi aus dem Jenseits. Sie beobachtet und begleitet die Hinterbliebenen und äußert in ihrer Erzählung  Wünsche und Tipps, wie diese den Verlust vielleicht ein bisschen besser ertragen könnten, auch wenn sie Louise natürlich nicht hören können. Sie hinterfragt aber auch ihr eigenes Verhalten, wenn sie von der Zeit berichtet, als sie und Liam noch lebten. Aber leider zu spät.
Es fallen auch reichlich Schimpfworte und einiges bewegt sich hart an der Grenze, um noch als jugendfrei durchzugehen. Aus diesem Grund würde ich bei dieser Geschichte unbedingt die Altersempfehlung von nicht unter 16 Jahre beachten.
Ein bisschen habe ich mich über den allerletzten Absatz geärgert, denn der verklärt den Suizid und nimmt der Abschreckung, die dieses Buch eigentlich bewirken sollte, den Wind aus den Segeln.

Fazit:
Eine beklemmende Geschichte, die unter die Haut geht und mit der man sich Gedanklich, auf jeden Fall über die Lesedauer hinaus beschäftigen wird.
Eine Geschichte, die zeigt, wie schnell falsche Entscheidungen zu einem absoluten Desaster ausarten können, wenn man sich nicht rechtzeitig um Hilfe bemüht.

Bewertung

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